Rattenalarm
Nicht tief in Träumen versunken, doch weit entfernt vom Krach und indischen Treiben, trotz Oropax oder gerade deswegen etwas ungewohntes vernommen… Was? Gehört? Gespürt? Der erste Gedanke an Mäuse. Die indische Matratze als Hort… Den Gedanken schnell zu verwerfen versucht… Dann wieder… Nein, nur mein Magen…, oropaxgeschärftes Inneres Ohr… Oder doch gefühlt…?
Dann ging es ganz schnell. Auf meinen Beinen… Mit dem Schlafsack von mir geworfen… Der Schreckenschrei im selbem Augenblick… Noch immer nicht sicher… Nein. Das kann nicht sein! Ich habe doch ein Bettgestell. Kurz gedacht. Das Herz im Galopp. Doch nur getäuscht? Aufgestanden. Das Tuch unter der Wohnungstür nicht an seinem Platz… Kein gutes Zeichen. Mäuse… Vorsichtig umhergeschlichen. Christine schläft. In der Küche frische Kürtel. Weich. Ok. Sie sind wieder da.
In diesem Moment flitzt es an mir vorbei. Über meine Füße. Grau und groß. Schrei. Aus der Hocke aufgesprungen. Auf die Zehenspitzen. Mein Herz rast. Es rast zur Tür. Nein. Verdammt. Ich habe sie eingesprerrt. Den Weg verriegelt. Das Tuch. Sie dreht eine Runde und rast in mein Zimmer. Again. Kein Ausweg. Was tun? Sie muß raus! Keine Frage. Kurz gedacht.
Tuch weg. Ein Handtuch als Waffe in der Hand. Auf Abstand. Ich muß sie vertreiben. Ich werfe leere Wasserflachen. Oropaxgegämpfter Krach. Etwas springt an meinen Vorhang. Nur ganz leicht hat er sich bewegt. Doch meine Sinne sind zum Bersten gespannt. Ich bin mir sicher! Wo ist sie hin? Hoch zum Oberlicht? Doch dort ist ein Gitter vor… Oder nicht? In meine Tücher davor? Verdammt. Unzählige 5-Liter-Karnister locken sie nicht hervor. Ich zweifle an meinem Plan. Etwas verloren fühle ich mich; mit meinem Handtuch bewaffnet um halb sechs in Unterhose auf Zehenspitzen im Flur – den Ausschnitt meines Zimmers und das Fenster fest im Visier. Ich brauche Hilfe. Beistand. Arme Christine.
Ich muß da rein. Mein Herz schlägt mir bis an die Ohren. Wenn ich sie nicht finde…? Vorhang oder Tücher. Das ist meine Vermutung. Im Bett? Ersteinmal Krach machen. Ich schlage mit dem Handtuch gegen das Bündel Tücher am Fenster neben dem Vorhang das über einer quer durchs Zimmer gespannten Wäscheleine baumelt. Nichts. Ich bin irritiert! Wo ist sie? Ok. Nochmal! Fenster? Nichts. Ich lasse mich nicht irritieren!! Meine Sinne haben mich nicht getäuscht! Ich schlage ein drittes mal mit voller Kraft gegen das Bündel. Zwei Schreckensschreie. Sie springt unter mein Bett und rast in den Flur durch den Spalt unter der Tür in den Hausflur zurück. Es ist 5:30. Das alltägliche Leben auf der Straße hat begonnen.
Du beschreibst das so sehr und so nah das ich alles mitfühlen kann und mir bildhaft vorstellen kann wie das ausgesehen hat. Ich habe eine Gänsehaut und ein breites Lächeln im Gesicht. Alles Gute und viel Spaß euch.
Dave
the world demand translation!